Qimaya – Semantic Web

creating a semantic web

Neurosemantik. Warum?

with one comment

Qimaya wurde in den letzen Wochen häufig nach seinen technologischen Grundlagen gefragt. Wie funktionieren eure neurosemantischen Netze? Warum ist dieser Ansatz vielversprechender als andere Ansätze? Was bedeutet Neurosematik überhaupt?

Nun ist Qimaya nicht das Resultat einer gezielten technologischen Forschung. Es war nicht so, dass morgens ein Techniker aufgestanden ist mit den Worten: „Nu bauen wir uns eine Suchmaschine!“.

Qimaya bezieht seine Stärke aus langjähriger wissenschaftlicher Grundlagenforschung. Die 90er Jahre gelten als die „Dekade des Gehirns“, da in diesen Jahren erhebliche Mittel für Gehirnforschung bereitgestellt wurden. Zahlreiche Institute für Neuroinformatik entstanden in dieser Zeit.

Ich hatte die Ehre und das Vergnügen, vom April 1991 bis Dezember 2000 mit Prof. Dr. Dr. Olaf Breidbach (Universität Jena) wissenschaftlich zu arbeiten.

Soeben ist von Olaf Breidbach in der edition unseld das Buch „Neue Wissensordnungen. Wie aus Informationen und Nachrichten kulturelles Wissen entsteht“ erschienen.
Die edition unseld will „die Frage nach dem Für und Wider einer naturalistischen Weltsicht diskutieren, der durch Naturwissenschaft und Technologie bewirkte Wandel unseres Weltgefühls soll beschrieben, erklärt und vorausgedacht werden“.

Natürlich kann ich keine neutrale Rezension zu dem Buch schreiben, da ich zu sehr in das Thema involviert bin. Ich kann aber – zumindest was einzelne kleine Facetten des Buches anbelangt – als Zeitzeuge kommentieren. Empfehlen möchte ich das Buch aus drei Gründen.

1. Das Buch wird den Zielen der edition unseld in besonderer Weise gerecht. Olaf Breidbach – in Personalunion Neuroanatom und Philosoph – nennt die gesellschaftlichen Gefahren, die entstehen, wenn auf vernetztes Denken verzichtet wird. China-Politik, Bankenkrise und indirekt die aktuellen Probleme am Cern finden sich in seinem Text antizipiert. Das Vernetzungsparadigma aus den Neurowissenschaften dient im als „Kronzeuge“ zur Bewertung gesellschaftlicher Prozesse.

2. Es wird klar und deutlich, dass die Neurosemantik nicht aus einer Beliebigkeit heraus enstanden ist. Die biologische Plausibilität des Ansatzes war dabei nur ein Kriterium. Breidbachs Deutungsrepertoire umfasst die Kognitionsarchitektur eines Robert Fludd; mit spielerischer Leichtigkeit wird Hegels Logik eingebunden und nur wenige Absätze weiter befinden wir uns in einer pointierten Filmkritik zur Matrix-Trilogie. Das Buch selbst ist ein kleines Netzwerk. Und viele Knoten offenbaren ihre Semantik erst beim zweiten Lesen. Man sollte sich nicht auf die haptischen 182 Seiten einstellen, sondern seinem persönlichen Neuralnetz 364 Seiten Lektüre gönnen.

3. Das Buch eignet sich bedingt als Einstiegstext in eine Wissenschaft des vernetzten Denkens. Gleich am Anfang des Buches heisst es: „Es wird keine umfassende Wissens-Wissenschaft vorausgesetzt, die dann die Einzeldisziplinen bestimmt. Es wird vielmehr eine Vorgehensweise verfolgt, die Denkweisen der verschiedenen Disziplinen aufnimmt und ihre jeweiligen Argumentationsweisen integriert.“ Zu beachten sind natürlich die ausführlichen Anmerkungen mit Literaturhinweisen. Hervorheben möchte ich besonders das Buch „Deutungen“, das sich unter anderem mit der Konstitution und Bewertung von Wissensstrukturen befasst.

Vielleicht wird der Leser ja – frei nach Clinton – nach der Lektüre sagen:
„It’s interconnectedness, stupid“.

PS. Leider kann es passieren, dass man beim Surfen nach „neurosemantics“ auf Sekten und Scharlatane („NLP“) stößt. Die haben mit Wissenschaft so viel zu tun wie mein Bierbauch mit Adonis.

Autor: Klaus

Written by Qimaya

28. September 2008 um 7:17 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

Subscribe to comments with RSS.

  1. Hallo,

    was hat den Neuro-linguistisches Programmieren mit Sekten oder Scharlatanerie zu tun???

    Ich kenne einige die damit sehr gut arbeiten und Menschen besser helfen können als die meisten Psychotherapeuten.

    Grüße

    Martin

    Martin

    5. August 2009 at 10:46 am


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: